Wie kannst du Verbindungen zu deinem Teenager knüpfen?

Ich habe noch keine Teenager, aber ziemlich Respekt vor dieser Zeit. Diesen Artikel hat eine Amerikanerin namens Dorcas Showalter verfasst. Sie hat drei jugendliche Kinder und lebt mit ihrer Familie in Chile. Das Original auf Englisch kannst du unter folgendem Link lesen: https://www.mom-on-a-mission.blog/all-posts/2025/7/building-connections-with-your-teen

Die Betreiberin des Blogs „Mom on a Mission“ hat mir freundlicherweise erlaubt, den Artikel hier zu veröffentlichen. Die Bilder habe ich aus dem originalen Artikel kopiert.

Was mir wichtig wurde, ist, dass man möglichst schon vor der Pubertät diese Verbindungen knüpft und regelmäßig Zeit zu zweit mit dem Kind verbringt.

Als ich anfing zu verstehen, welche Verantwortung ich als Mutter für die Prägung unserer Kinder trage, wuchs in mir der tiefe Wunsch, enge Beziehungen zu jedem einzelnen von ihnen aufzubauen, solange sie noch zu Hause lebten – anstatt erst damit zu beginnen, wenn sie längst ausgezogen wären. Das Problem war nur: Ich wusste nicht, wie man eine tiefe Beziehung aufbaut, die auch über Jahre hinweg Bestand hat.

Während ich darüber betete, erinnerte ich mich an ein Zitat, das mich Jahre zuvor in Bezug auf die Ehe sehr ermutigt hatte:

„Was bringt zwei Menschen dazu, sich nahe zu kommen und einander zu lieben? Natürlich gibt es das Geheimnis der körperlichen Anziehung. Aber darüber hinaus sind es die Gemeinsamkeiten, die sie haben. Wir beide mögen gerne Erdbeeren, Schiffe, Collies, Gedichte und alles Schöne – diese Dinge verbinden uns. Diese gemeinsamen Vorlieben und Abneigungen sind aber zufällig.

Doch jetzt müssen wir alles miteinander teilen. Alles! Wenn einer von uns etwas mag, dann muss es auch darin etwas Liebenswertes geben – und der andere sollte es entdecken. Jede einzelne Sache, die dem anderen wichtig ist. Auf diese Weise weben wir tausend Fäden, große und kleine, die uns miteinander verbinden. Dann werden wir einander so nahe sein, dass es unmöglich – und unvorstellbar – wäre zu glauben, wir könnten eine solche Nähe jemals mit jemand anderem neu aufbauen. Unser Vertrauen wird dann nicht nur auf Liebe und Treue beruhen, sondern auf dem Vorhandensein von tausend gemeinsam geteilten Dingen – tausend Fäden, die sich zu etwas Unzerbrechlichem verweben.“

Der Ausdruck „tausend gemeinsam geteilten Dingen – tausend Fäden, die sich zu etwas Unzerbrechlichem verweben“ berührte mich tief. Mir wurde bewusst, dass ich immer gedacht hatte, es brauche große, außergewöhnliche Ereignisse, um Beziehungen aufzubauen.

Von da an sahen wir unser Familienleben mit anderen Augen. Jeder Augenblick kann eine Chance sein, Beziehungen zu aufzubauen und den Gedanken der tausend kleinen Fäden zu leben, die sich durch materielle Dinge, den Alltag und die Angelegenheiten des Herzens ziehen.

Unsere Überzeugungen über Kinder ermöglichen das Wachstum unserer Beziehungen zu ihnen. Zum Beispiel die Überzeugung, dass unsere Kinder in jedem Alter wertvoll sind, dass sie nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden oder dass sie geliebt, angenommen, angehört und um ihrer selbst willen geschätzt werden möchten – nicht nur um dessentwillen, was sie tun. Und dass sie wissen sollen, dass sie etwas Wertvolles zu unserer Familie beitragen.

Als wir nach Südamerika zogen, hatten unsere Kinder sehr zu kämpfen. Sie vermissten ihre Freunde, die vertraute Umgebung und ihre Sprache.

Ich begann, ganz konkrete Gebete zu sprechen: „Gott, welche Routinen und Traditionen können wir in unserem Zuhause einführen, die bestehen bleiben – ganz gleich, wo wir leben? Welche Gewohnheiten können wir entwickeln, damit unsere Kinder, egal wohin Du sie eines Tages führst, ein Beispiel dafür haben, wie man an einem neuen Ort aufblühen kann?“

Wir wünschten uns, dass unser Zuhause der Lieblingsort unserer Kinder würde – auch während der Teenagerjahre. Ein Zufluchtsort. Ein sicherer Ort, an dem sie aussprechen könnten, was ihnen auf dem Herzen lag, und wüssten, dass sie gehört und geschätzt würden. Ganz gleich, womit sie kämpfen würden – sie sollten wissen, dass wir sie immer lieben würden. Besonders in der Vorpubertät und Jugend sollten sie spüren: Wir freuen uns, dass gerade sie unsere Kinder sind.

Mit dem Gedanken der tausend kleinen Fäden gemeinsamer Erlebnisse begannen wir Gewohnheiten und Rhythmen zu entwickeln, die wir bis heute leben. Im Laufe der Jahre wurden sie Teil unserer Familienidentität – sie sagen: „So sind wir.“ Im Folgenden gebe ich einige Beispiele, wie wir es umgesetzt haben, „tausend Fäden“ gemeinsamer Erlebnisse zu weben.

Wir möchten, dass unsere Kinder gern in unserer Nähe sind und keine Angst vor uns haben. Wenn es Schwierigkeiten gab, versuchten wir, sie zu klären und danach nicht immer wieder darauf zurückzukommen oder unseren Kindern das Gefühl zu geben, sie müssten sich unsere Liebe oder Anerkennung erst wieder verdienen.

Oft lief Musik, während wir arbeiteten. Wir unterhielten uns beim Kochen. Als die Kinder kleiner waren, hörten wir nachmittags häufig gemeinsam Hörbücher an, während jeder an seinen Projekten arbeitete – mit Lego, beim Häkeln, Schnitzen, Malen oder Nähen. Heute sind sie älter und viel selbstständiger, aber der Nachmittag gehört noch immer ihren Projekten und Interessen. Und wir möchten ihnen zeigen, dass uns das wichtig ist, was ihnen wichtig ist.

Gemeinsam gelesene Bücher gehören zu unseren tausend Fäden der Verbundenheit. Bis heute lese ich ihnen fast täglich vor. Währenddessen zeichnen sie, arbeiten an Projekten, spielen Schach, trinken unzählige Tassen Tee oder malen. Oft frage ich sie anschließend, was sie über die Geschichte denken und wie sie selbst in der Situation der Hauptfigur gehandelt hätten.

Während wir Beziehungen zu unseren Kindern aufbauten, wollten wir ihnen zugleich helfen, auch untereinander als Geschwister enge Beziehungen zu entwickeln. Wir erinnern sie immer wieder daran, wie kostbar Geschwisterbeziehungen sind. Sie sollten einander sogar noch freundlicher behandeln als Menschen außerhalb unseres Zuhauses.

Die Jahre der Vorpubertät und frühen Teenagerzeit waren herausfordernd. Besonders zwei unserer Kinder verstanden sich wie Feuer und Wasser. Es brauchte viel Gebet statt Angst, viele Gespräche mit dem verletzten Kind und anschließend mit dem anderen, um ihnen zu zeigen, wie sie miteinander umgehen sollten. Auch hier gab es keinen großen Wendepunkt. Die Beziehung musste über Jahre hinweg wachsen – durch tausend kleine Fäden der Gemeinsamkeiten.

Als unser ältestes Kind acht Jahre alt war, begann ich, jede Woche bewusst Zeit allein mit jedem einzelnen Kind zu verbringen. Ich nahm mir vor, diese Zeit nicht zur Korrektur oder Erziehung zu nutzen, sondern einfach nur die Gemeinschaft miteinander zu genießen. Unsere gemeinsamen Aktivitäten waren sehr unterschiedlich. Manchmal bastelten wir zusammen, suchten die verlorenen Pfeile unseres Sohnes, tranken Tee von einem schön gedeckten Tablett oder ich las aus einem Buch vor, das nur für unsere gemeinsame Zeit reserviert war. Heute, da unsere Töchter älter sind, möchten sie diese Zeit oft nutzen, um über alles zu sprechen, was sie bewegt – über ihre Zukunft, Ängste, Hoffnungen und Träume.

Wenn ich müde war oder viel anderes zu tun hatte und keine Lust auf diese wöchentliche Zeit verspürte, fragte ich mich: „Was würde ich stattdessen tun? Wie werde ich mir wünschen, diese Zeit genutzt zu haben, wenn meine Kinder einmal ausgezogen sind?“ Ich strebe keine perfekte Mutterschaft an, sondern eine bewusste. Ich möchte jede Lebensphase mit offenen Augen und einem klaren Ziel leben – nicht bloß die Jahre irgendwie überstehen.

Etwa mit zwölf Jahren begann unser Sohn, sich von mir zu lösen. Das fiel mir schwer. Zuerst dachte ich, etwas stimme nicht. Doch dann verstand ich, dass diese Veränderung notwendig war, damit er zu einem jungen Mann heranwachsen konnte. Ich betete viel und erinnerte mich daran, dass Beziehungen sich nicht erzwingen lassen. Wir können nur Räume schaffen, in denen sie wachsen dürfen.

Etwa einmal am Tag, wenn er in die Küche kam, legte ich ihm ganz selbstverständlich den Arm um die Schultern und fragte: „Hey, habe ich dich heute eigentlich schon umarmt?“ oder: „Habe ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebhabe?“ – ohne irgendeine Reaktion zu erwarten. Später sagte ich manchmal: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude.“ Anfangs fragte ich mich: Bin ich wirklich erfreut über all diese Veränderungen in ihm? Doch dann wurde mir bewusst: Ja. Ich bin so dankbar, dass gerade er unser Sohn ist.

Gelegentlich fragte ich mich, ob sich unsere wöchentliche Zeit zu zweit überhaupt noch lohnte. Er sprach kaum. Aber wir tranken gemeinsam einen Kaffee oder Cappuccino oder spielten Fußball. Ich versuchte sogar, seine Tricks nachzumachen – was ihn regelmäßig zum Lachen brachte. Am Ende unserer gemeinsamen Zeit sagte ich immer: „Ich habe unsere Zeit sehr genossen. Danke.“

Mit der Zeit begann er, diese kleinen Gesten zu erwidern. Eines Tages kam er in die Küche, holte sich etwas zu trinken, legte mir den Arm um die Schultern und sagte: „Mama, habe ich dir heute eigentlich schon gesagt, dass ich dich liebhabe?“ Ein anderes Mal sagte er: „Du bist meine geliebte Mama, an dir habe ich Freude.“

Diese Augenblicke markierten einen Wendepunkt – für uns beide. Weil ich unsere Beziehung mit offenen Händen festgehalten und zugelassen hatte, dass sie sich mit seinem Älterwerden verändern durfte, lernte er, dass es sicher ist, ein junger Mann zu sein und trotzdem eine enge Beziehung zu seiner Mutter zu haben.

Teenager zu begleiten hat meinen Glauben herausgefordert und mich als Frau und als Nachfolgerin Christi verändert. Meine Identität muss in Christus gegründet sein – nicht in meinen Kindern. Ich musste lernen, mich demütig zu entschuldigen, wenn ich versagt hatte: wenn ich die Augen verdrehte, unfreundlich sprach oder sie falsch einschätzte. Ich begann zu erkennen, dass hinter Eigenschaften, die mich manchmal störten, oft Stärken verborgen lagen, die Gott einmal für sein Reich gebrauchen kann. Deshalb möchte ich lieber ihre Stärken fördern als ständig ihre Schwächen kritisieren.

Ich musste mich daran erinnern, wie es war, selbst ein Teenager zu sein. Ich möchte sie bedingungslos lieben, sie ermutigen und Worte des Segens über ihnen aussprechen. Ich möchte ihnen erlauben zu wachsen, für sie beten und nicht versuchen, sie zu beherrschen. Man braucht Gottes Weisheit, um Kinder zu formen und ihnen gleichzeitig die Freiheit zu lassen, die einzigartige Persönlichkeit zu entfalten, als die Gott sie geschaffen hat.

Die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und Kindern liegt zu einem großen Teil in den Händen der Eltern. Wir haben einen Feind, der Nähe hasst. Keine tiefe Beziehung entsteht von selbst. Aber es ist aller Mühe und alles Opfers wert.

Jede Familiengeschichte ist einzigartig. Vielleicht gefallen euch ganz andere Dinge als uns – und das ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist, herauszufinden, was eure Familie mag. Gott wusste, dass gerade du die richtige Mutter für deine Kinder bist. Bitte ihn darum, dir zu zeigen, wie die tausend Fäden der Verbundenheit in eurer Familie aussehen können – und vertraue darauf, dass er dich führen wird.

Ganz gleich, wie alt deine Kinder sind oder wie viele Fehler du gemacht zu haben glaubst: Es ist nie zu spät, den nächsten Moment zu nutzen, um Verbindung zu schaffen. Bitte um Vergebung. Lass die Schuld los. Und triff dann im nächsten Moment die richtige Entscheidung. Und im darauffolgenden wieder. Es dauert Jahre – nicht Tage –, um tiefe Beziehungen aufzubauen.

Heute erleben wir das, wovon wir einst geträumt haben: enge Beziehungen zu unseren Kindern, während sie noch bei uns zu Hause leben. Wir wissen nicht, wohin das Leben sie führen wird oder ob wir einmal nah beieinander wohnen werden. Aber mit Gottes Hilfe möchten wir sie jetzt in richtiger Weise lieben, die gemeinsame Zeit bewusst genießen und weiterhin diese tausend Fäden der Gemeinsamkeiten knüpfen – durch alle Wendungen und unerwarteten Jahreszeiten des Lebens hindurch.

Veröffentlicht von happyhenni

Ich bin Christin, verheiratet und Mutter von 3 Kindern.

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