Wie sich das Gehirn von Jugendlichen verändert

This is a translation of the following blog post: https://www.mom-on-a-mission.blog/all-posts/2025/7/the-changing-teenage-brain

Wenn es eine Zeit im Leben meiner Kinder gibt, vor der ich so richtig Respekt habe, dann ist das die Pubertät. Ich konnte noch nie etwas mit pubertierenden Jugendlichen anfangen – nicht mal, als ich selber in dem Alter war. Es hört sich vielleicht seltsam an, aber schon als Kind habe ich mir vorgenommen, nicht „komisch“ zu werden, wenn ich in das entsprechende Alter käme. Wie es dann tatsächlich war, das können nur diejenigen sagen, die mich erlebt haben …

Ich weiß, dass Gott auch Teenager liebt und dass er uns durch diese Zeit hindurch helfen will, aber der Gedanke daran ruft ein unangenehmes Gefühl in mir hervor. Wenn es dir ebenfalls so geht, dann kann dieser Artikel dir vielleicht Mut machen.

Vor einiger Zeit habe ich eine kleine Serie über dieses Thema auf einem amerikanischen Blog gelesen. Die Gedanken und Tipps finde ich so hilfreich, dass ich sie gerne deutschsprachigen Müttern zugänglich machen möchte.

Sie stammen von dem Blog https://www.mom-on-a-mission.blog, wurden aber von einer Gastautorin namens Dorcas Showalter verfasst.

Dorcas und Dennis Showalter leben mit ihren drei Teenagern in Süd-Chile. Dorcas sieht ihr Zuhause als eine Vertretung oder Botschaft des Reiches Gottes, die sie als Gottes Mitwirkende gestaltet. Ihr Alltag ist geprägt von stiller Treue und Gebet, während sie ihr jüngstes Kind zu Hause unterrichtet und mit viel Hingabe daran arbeitet, dass sich in ihrem Haus jeder willkommen fühlt – zuerst ihre eigene Familie und dann alle, die Gott an ihre Tür führt. Sie sammelt und erzählt Geschichten und mag das Vorlesen guter Bücher, persönliche Gespräche von Herz zu Herz und eine große Tasse Earl Grey Tee.

Hier geht es direkt zu dem ersten Artikel auf Englisch: https://www.mom-on-a-mission.blog/all-posts/2025/7/the-changing-teenage-brain


Und nun folgt die deutsche Übersetzung (Teil 1 von 3):

Ich hatte kein besonders positives Bild von den Teenagerjahren. Meine eigene Jugend war ziemlich turbulent gewesen, und obwohl ich mit einem gewissen Unbehagen auf die Pubertät unserer Kinder blickte, gab es eine leise Hoffnung in mir, dass es auch anders laufen könnte.

Das erste Anzeichen für „etwas Anderes“ zeigte sich, als ich einen Vortrag von Hal und Melanie Young über die Jahre vor der Pubertät hörte.

„Etwa zwischen neun und elf Jahren“, erklärten sie, „scheint es plötzlich, als würden bei deinem Kind die Räder abfallen. Das fröhliche, hilfsbereite Kind kann auf einmal verschlossen, launisch und vergesslich wirken, und du fragst dich, was passiert ist. Wenn du dein Kind darauf ansprichst, weiß es keine Antwort. Und wenn du versuchst, Druck zu machen, damit es wieder ‚so wird wie früher‘, erreichst du meist genau das Gegenteil.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass mit Beginn der Pubertät das Gehirn eines Kindes in vielerlei Hinsicht nicht mehr so funktioniert wie zuvor. Es bereitet sich darauf vor, zu einem erwachsenen Gehirn umgebaut zu werden. Deshalb passiert es manchmal, dass wenn man ihm etwas sagt, es einen Schritt weggeht – und dann zurückkommt und fragt: ‚Was hast du gerade gesagt?‘

Die Kinder können nichts dafür, dass ihr Körper eine ganz normale Veränderung durchmacht. Deshalb ist es wichtig, ihnen zu erklären, was mit ihnen geschieht.“

Ich dachte dabei an unsere älteste Tochter, die damals neun Jahre alt war. Der Ausdruck „als würden die Räder abfallen“ beschrieb genau das, was wir gerade erlebten.

„Die Hormone erwachen“, fuhren sie fort, „und in diesen Jahren wird das Gehirn von Hormonschüben überflutet, die sogar stärker sein können als bei einer Frau mit PMS (Prämenstruelles Syndrom). Deshalb kann es passieren, dass plötzlich wie ein Schalter umgelegt wird und sie wegen einer einfachen Bitte wütend werden oder anfangen zu weinen.“

Während PMS kann sich alles viel schwieriger anfühlen, und ich wünsche mir dann Geduld und Verständnis von anderen Menschen. Manchmal reichen schon Kleinigkeiten aus, um unerwünschte Gefühle auszulösen, und manchmal würde ich mich am liebsten von allen zurückziehen, bis sich das Leben wieder weniger überfordernd anfühlt.

Hormonschübe stärker als bei PMS? In diesem Moment verwandelte sich meine Frustration über unsere Tochter in Mitgefühl. Wenn ich könnte, würde ich PMS vermeiden – aber ich kann mir weder aussuchen, wann es kommt, noch konnte meine Tochter dieser natürlichen Lebensphase ausweichen. Ich nahm mir vor, ihr dieselbe Geduld und dasselbe Verständnis entgegenzubringen, das ich mir selbst von Anderen wünsche.

Hal und Melanie erzählten anschließend von Erkenntnissen aus ihrer laufenden Umfrage unter Teenagern und jungen Erwachsenen. Die meisten Befragten sagten, dass die emotionale Distanz zu ihren Eltern nicht erst in den Teenagerjahren angefangen habe, sondern schon in der Vorpubertät. Die Entfremdung begann oft dort, wo sie in dieser turbulenten Lebensphase auf Verurteilung, Schuldgefühle oder an Bedingungen geknüpfte Liebe trafen.

Diejenigen, die sich später vom Glauben ihrer Eltern abgewandt hatten, wurden von Hal und Melanie gefragt, wann ihre Zweifel an Gott begonnen hätten. Fast alle antworteten, dass dies bereits in der Vorpubertät oder in den frühen Teenagerjahren angefangen habe. Auf die Frage, warum sie damals nicht mit ihren Eltern darüber gesprochen hätten, kamen fast immer dieselben Antworten: Entweder: „Ich hatte Angst“, oder: „Ich habe versucht, darüber zu reden, aber meine Eltern wurden ärgerlich. Sie sagten Dinge wie: „Wir haben dich all die Jahre mit in die Gemeinde genommen. Wir haben dir von Gott erzählt. Was stimmt denn nicht mit dir?“

Das Gehirn eines kleinen Kindes bildet ständig neue Nervenzellen, die wie Boten elektrische und chemische Signale durch den ganzen Körper weiterleiten. Ein gesundes kindliches Gehirn produziert davon sogar mehr als nötig – ähnlich wie ein Baum, der im Frühling unzählige neue Zweige wachsen lässt. Deshalb sind Kinder wie Schwämme.

Etwa im Alter zwischen neun und elf Jahren verlangsamt sich dieses schnelle Wachstum der Nervenzellen, und die hormonellen Aktivitäten beginnen.

Mit ungefähr 13 oder 14 Jahren startet dann ein tiefgreifender Umbau des Gehirns. Dieser Prozess gehört zwar ganz normal zum Erwachsenwerden, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. In ihrem Buch Your Teenager Is Not Crazy vergleichen Jeremy und Jerusha Clark diesen Vorgang mit einer Küchenrenovierung. Dass eine Küche renoviert wird, bedeutet nicht, dass sie schlecht war – sie wird umgestaltet, damit sie zukünftigen Anforderungen besser gerecht werden kann. Genauso kann ein erwachsenes Gehirn nicht logisch und effizient arbeiten, solange es noch von all den „Zweigen“ des kindlichen Gehirns abgelenkt wird.

Eine Renovierung ist chaotisch und manchmal laut und unordentlich. Es gibt Staub, Lärm und Durcheinander. Gelegentlich werden Wasser oder Strom abgestellt. Trotzdem akzeptieren wir die Unannehmlichkeiten, weil wir wissen, dass das Ergebnis sie alle aufwiegen wird.

Der Umbau des Gehirns beginnt im hinteren Bereich, der für Gleichgewicht und Koordination zuständig ist. Deshalb wirken Jugendliche oft körperlich unbeholfen oder ungeschickt. Im Laufe der Jahre arbeitet sich dieser Prozess nach vorne vor und endet erst, wenn sich der präfrontale Cortex etwa mit 25 Jahren vollständig entwickelt hat. Erst dann ist dauerhaft logisches Denken möglich.

Während dieser Umbauphase entfernt das Gehirn ungenutzte Verbindungen und solche, die es künftig nicht mehr zu brauchen meint. Gleichzeitig stärkt es die wichtigen Verbindungen durch einen Prozess namens Myelinisierung. Dabei werden die Nervenbahnen mit einer schützenden Schicht umgeben, die logisches Denken und schnelle Verknüpfungen im Gehirn unterstützt.

Das ist einer der Gründe, warum die Teenagerjahre so von Bedeutung sind. Entscheidungen zählen. Gespräche zählen. Jugendliche formen in dieser Zeit ihre Vorstellungen über Gott, über sich selbst, ihre Identität, ihre Lebensaufgabe und darüber, was sie lieben oder ablehnen sollen – und warum. Die Verbindungen im Gehirn, die regelmäßig genutzt werden, werden gestärkt. Wenn Kreativität, Eigeninitiative und ein Sinn für Berufung gefördert und gelebt werden, entwickeln sich genau diese Bahnen weiter. Verbringen Jugendliche jedoch viel Zeit in sozialen Medien, mit Filmen oder Videospielen, dann werden vor allem diese Verbindungen verstärkt, während andere verkümmern.

Diese Jahre sind auch für die Beziehung zwischen Eltern und Teenagern von großer Bedeutung. Jugendliche wirken oft so, als wollten sie ihre Eltern auf Abstand halten oder als bräuchten sie sie nicht mehr – doch das stimmt nicht. Weise Eltern verstehen das. Wenn Eltern jedoch keine Reife, Demut oder bedingungslose Liebe vorleben – wenn sie sich in der Öffentlichkeit anders verhalten als zu Hause –, kann das Gehirn des Jugendlichen zu dem Schluss kommen, dass eine enge Beziehung zu den Eltern nicht erstrebenswert ist. Dadurch entstehen emotionale Lücken und Verletzlichkeiten.

Eltern sind dazu berufen, Gottes Beziehung zu uns widerzuspiegeln. Gott geht immer den ersten Schritt – wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat. Seine Güte und Geduld ziehen uns zur Umkehr. Seine Liebe ist bedingungslos und bleibt bestehen. 1. Korinther 13 ist deshalb ein wunderbarer Wegweiser für Eltern von Teenagern.

In jeder Lebensphase sind Kinder ein Geschenk Gottes – auch in der Vorpubertät und den Teenagerjahren.


Dies war Teil 1 der Serie. Teil 2 und 3 folgen demnächst.

Veröffentlicht von happyhenni

Ich bin Christin, verheiratet und Mutter von 3 Kindern.

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