Eine besondere Bescherung an Heiligabend

English translation below

Diese Geschichte hat eine Mutter von größtenteils erwachsenen Kindern erlebt und aufgeschrieben:

Am Nachmittag des 24. Dezember meldete sich mein Mann am Telefon. Er teilte mir mit, dass er vorhatte, zu unserer Familienweihnachtsfeier noch jemanden mitzubringen. Es handelte sich um Helmut, einen ehemaligen Alkoholiker. Dieser stammte aus einer sozial schwachen Familie und machte zu der Zeit eine Therapie mit betreutem Wohnen.

Ich stimmte zu, dass er ihn mitbringen könnte. Meine zwei Jüngsten waren jedoch nicht begeistert, als sie hörten, dass noch eine fremde Person kommen sollte. Schließlich wollten sie eine reine Familienfeier haben. Ich sagte nicht viel dazu, blickte aber zuversichtlich der Sache entgegen, obwohl ich weder mit dem Essen noch mit Geschenken darauf vorbereitet war.

Als mein Mann später mit unserer älteren Tochter erschien, hatte er nicht nur eine, sondern zwei fremde Personen mitgebracht. Außer Helmut stand auch Roland vor der Haustür, den mein Mann auf der Straße aufgegabelt hatte. Dieser führte schon seit längerem ein verwahrlostes Leben und war stark vom Alkohol gezeichnet. Er campierte überall in der Stadt. Mal hatte er einen Schlafplatz in der Laube der evangelischen Pfarrei gefunden, ein anderes Mal kümmerte sich der katholische Pfarrer um ihn u. v. a. m. Ich akzeptierte nun ohne weiteres die Situation und hieß sie alle willkommen.

Das Essen reichte wider Erwarten für alle, es war für jeden etwas da und genau das Richtige. Die beiden Besucher saßen und aßen so vorbildlich am Tisch, dass man ihnen ihre Herkunft kaum ansehen konnte.

Später packten wir die Geschenke aus und vierzehn Augen blickten mit Spannung auf die Überraschungen, die sich unter dem Geschenkpapier verbargen. Während die Anderen noch am Auspacken waren, überlegte ich blitzschnell, wie die Situation einigermaßen zu retten war. Ich eilte nach oben und holte aus dem Geschenkeschrank ein Rasierwasser. Danach riss ich schnell das Weihnachtsgeschenk für ein befreundetes Ehepaar auf und entnahm daraus das zweite Rasierwasser. Die beiden Männer sollten in keinem Fall mit leeren Händen in unserer Runde sitzen. Die Verwunderung war groß. Meine ältere Tochter hatte aber bereits etwas für sie mitgebracht, wie ich bald feststellen konnte.

Als alle ihre Geschenke vor sich liegen hatten, kam mir plötzlich der Gedanke, die Gitarre zu holen und etwas darauf vorzuspielen. Weitere Lieder folgten, wobei meine ältere Tochter die Gitarre übernahm und die jüngere sich ans Klavier setzte und uns begleitete. Ich staunte hinterher selbst, wie alles klappte. Ohne dass ich es vorgeplant hatte, hatten wir die zur Situation passenden Lieder, die wir auch alle singen konnten. Es waren keine typischen Weihnachtslieder, sondern Evangelisationslieder, die das Herz ansprechen. Ein Lied hieß: „Wenn du Jesus kennst, bist du nicht furchtsam mehr. Er hält die Wacht, auch in der Nacht. Halt einmal still, sprich mit dem Herrn, ruf ihn um Hilfe an, er ist dir nicht fern. Wenn du Jesus kennst, bist du nicht einsam mehr, er ist dir nah, immer für dich da. Halt einmal still……“

Nach einiger Zeit holte Helmut ein Taschentuch heraus und wischte sich Nase und Augen. Roland guckte etwas verlegen zur Seite. Später als er mit mit meiner älteren Tochter nach Hause fuhr, offenbarte er ihr, dass er während dem Singen mit den Tränen hatte kämpfen müssen.

Wenn ich nun auf diese Weihnachtsfeier zurückschaue, kommt sie mir wie ein Traum vor. Ich fühlte mich getragen und so leicht; ja, es hatte mich keine Mühe gekostet. Es war mir, wie wenn eine unsichtbare Macht aus dem Himmel die Fäden in den Händen gehalten hatte. Wunderbar – wie Gott es macht, wenn wir alles in seine Hände legen.

Am nächsten Tag, als ich den Sonntags-Anzeiger aus dem Briefkasten herausholte, las ich auf der ersten Seite unübersehbar: „Wehmut an Heiligabend: So verbringen Obdachlose das Fest.“ Ich dachte bei mir selbst: „Das passt ja genau zu unserem Erlebnis!“ Es kam mir vor, als hätten wir das erste Mal in unserem Leben richtig Weihnachten gefeiert. Der Gedanke daran machte mich froh!

„Lieber Heiland Jesus Christus, Weihnachten ist die Feier deines Geburtstages. Gott gab uns mit dir ein Geschenk, ja mehr als das.“ Seine ganze Liebe gab und offenbarte ER uns. Diese Liebe sollen wir weitergeben und nicht für uns behalten. Das ist der wahre Sinn des Weihnachtsfestes und der Geschenke. Und dieses soll nicht nur an einem Tag im Jahr Geltung haben, sondern immer, das ganze Jahr hindurch. Da darf Egoismus und Selbstgenügsamkeit keinen Raum haben. „Danke Herr für alles. Verherrliche dich in unserem Leben. Amen“.

C. S.

A special Christmas Eve

This story was experienced and written down by a mother of grown-up children. It took place in Germany where it is common to celebrate Christmas and make gifts on Christmas Eve, December 24th.

On the afternoon of December 24th, my husband called. He told me that he planned to bring a visitor to our family Christmas celebration. It would be Helmut a former alcoholic. His family was socially vulnerable but he was undergoing therapy with assisted living at the time.

I agreed that he could bring him. However, my two youngest were not thrilled when they heard that a stranger was coming. They preferred a private family celebration. I didn’t say much about it but looked forward to it confidently, even though I was neither prepared with food nor gifts.

When my husband arrived with our older daughter, he had brought not one but two strangers. Besides Helmut also Roland appeared at the front door. My husband had picked him up somewhere on the street. Roland had been living a neglected life for a long time and was heavily marked by alcohol. He camped all over the city. Sometimes he found a place to sleep in the shed of the Protestant parish, other times the Catholic priest took care of him, and so on. I accepted the situation without further ado and welcomed them all.

The food was surprisingly enough for everyone; there was something for everyone and just the right amount. The two visitors sat and ate so exemplary at the table that one could hardly tell their background.

Later, we unwrapped the presents, and fourteen eyes eagerly watched the surprises hidden under the wrapping paper. While the others were still unwrapping, I quickly thought about how to somewhat salvage the situation. I hurried upstairs and took an aftershave from the gift cupboard. Then I quickly tore open the Christmas present for a befriended couple and took out the second aftershave. The two men should not sit with us empty-handed. The surprise was great. However, I soon realized that my older daughter had already brought something for them.

When everyone had their presents opened, I suddenly had the idea to get the guitar and sing a hymn. More songs followed, with my older daughter taking over the guitar and the younger one sitting at the piano and accompanying us. I was amazed afterward at how everything worked out. Without having planned it, we had the right songs for the situation, which we could all sing. They were not typical Christmas carols but evangelistic hymns that touch the heart. One song went: “If you know Jesus, you are no longer fearful. He keeps watch, even at night. Be still for a moment, talk to the Lord, call on Him for help, He is not far from you. If you know Jesus, you are no longer lonely, He is near you, always there for you. Be still for a moment…”

After some time, Helmut took out a handkerchief and wiped his nose and eyes. Roland looked a bit embarrassed to the side. Later, when he drove home with my older daughter, he revealed to her that he had struggled with tears while singing.

When I now look back on this Christmas evening, it seems like a dream to me. I felt carried and so light; yes, it had not cost me any effort. It was as if an invisible power from heaven had held the strings in its hands. Wonderful – what God can do when we put everything in His hands.

The next day, when I took the Sunday newspaper out of the mailbox, I read unmistakably on the front page: “Melancholy on Christmas Eve: This is how the homeless spend the holiday.” I thought to myself: “That fits exactly with our experience!” It seemed to me as if we had celebrated Christmas properly for the first time in our lives. The thought made me happy!

“Dear Savior Jesus Christ, Christmas is the celebration of your birthday. God gave us a gift with you, yes, more than that.” He gave and revealed His whole love to us. We should pass on this love and not keep it to ourselves. That is the true meaning of Christmas and the gifts. And this should not only apply on one day of the year but always, throughout the whole year. There should be no room for selfishness and self-sufficiency. “Thank you, Lord, for everything. Glorify yourself in our lives. Amen.”

C. S.

Veröffentlicht von happyhenni

Ich bin Christin, verheiratet und Mutter von 3 Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.

3 Kommentare zu „Eine besondere Bescherung an Heiligabend

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