English translation below
17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.
Die Bibel – Römer Kapitel 12
Herr Meyer heißt eigentlich gar nicht Herr Meyer. Aber wir nennen ihn so, weil er einen komplizierten Nachnamen hat und „Meyer“ auf seinem Firmenwagen steht.
Eines Tages zog in das neugebaute Haus gegenüber von uns ein Ehepaar mittleren Alters mit Hund ein. Der Mann (Herr Meyer) schloss schon bald Bekanntschaft mit meinem Mann und bot ihm das „Du“ an. Aufgrund des netten Gesprächs hofften wir auf gute Nachbarschaft, wurden aber leider schon bald eines Besseren belehrt.
Als es in den Sommerferien tagsüber sehr heiß war, ließ mein Mann die Kinder nach dem Abendessen noch etwas Fahrrad fahren. Dafür war der Fußweg sehr gut geeignet, der sich unmittelbar neben dem Haus von Herrn Meyer befindet. Unsere Drei verhielten sich nicht besonders leise, sondern spielten Polizei und fuhren mit lautem Tatütata hin und her.
Gegen halb 8, als mein Mann gerade mit den Kindern ins Haus gehen wollte, erschien Herr Meyer auf der Bildfläche und ließ ein großes Donnerwetter los. Er fuhr meinen Mann an: „Den ganzen Tag ertrage ich die Kinder und abends, wenn man endlich seine Ruhe haben will, wird direkt vor dem Fenster gelärmt. So eine Unverschämtheit!“ Mein Mann war schockiert. Damit hatte er nicht gerechnet.
Abgesehen davon, dass die Kinder den ganzen Tag wegen der Hitze im Haus gespielt hatten, war eigentlich noch keine offizielle Ruhezeit. Dies gab mein Mann Herrn Meyer auch zu freundlich zu verstehen. Die wütende Antwort von Herrn Meyer lautete: „Dann stelle ich mich demnächst abends um kurz vor 10 bei euch vor die Tür und schreie ganz laut!“ Mein Mann entschuldigte sich für die Störung und ging mit den Kindern ins Haus.
Die Geschichte erzählte er mir sofort brühwarm. Während ich noch bei den anderen Nachbarn den Garten goss, machte ich mir meine Gedanken. Einerseits kam in mir Ärger und Wut gegen Herrn Meyer auf, aber andererseits wusste ich, dass ich als Christ vergeben muss und meinem Feind Gutes tun muss.
Als wir als ganze Familie über den Vorfall sprachen, wurde uns wichtig, dass wir Herrn Meyer vergeben wollten und wenn sich die Gelegenheit böte, ihm etwas Gutes zu tun. Mein Mann erklärte den Kindern: „Ihr habt gesehen, dass er einen Gips am Bein hatte. Vielleicht geht es ihm nicht gut.“
Nach diesem Vorfall vergingen mehrere Monate, in denen uns erst Herr Meyer und dann auch seine Frau komplett ignorierten. Wir bekamen mit, wie er mit manchen anderen Menschen ebenfalls unfreundlich umging. Die ganze Situation war für uns nicht schön. Denn einerseits darf man Kindern tagsüber das Spielen nicht verbieten und andererseits wollten wir auch niemanden verärgern. Die negativen Gefühle und der Ärger wollten bei mir immer mal wieder hochkommen, aber ich betete um Gottes Hilfe und dass Gott Herrn Meyer segnen möge.
Im nächsten Frühjahr wurde bei Herrn und Frau Meyer eine neue Hecke angepflanzt. Als ich auf dem Weg zum Kindergarten mit meinem Roller dort vorbeifuhr, blitzte plötzlich ein Gedanke in meinem Kopf auf. Ich rief Herrn Meyer, der gerade in der Nähe stand, zu: „Die Hecke sieht gut aus!“ Da löste sich bei ihm etwas und er erzählte mir kurz von den Schwierigkeiten mit der alten Hecke.
Abends berichtete ich meinem Mann von dem Zusammentreffen. Als er später bei uns den Rasen mähte, war Herr Meyer noch mit dem Einpflanzen der neuen Hecke beschäftigt. Mein Mann fasste sich ein Herz, machte Herrn Meyer ein Kompliment für die schöne Hecke und fragte ihn, ob er noch Hilfe bräuchte. Diese war nicht mehr nötig, aber damit war das Eis gebrochen. Nachdem die beiden sich eine Weile über die Sträucher unterhalten hatten, sagte Herr Meyer etwas ganz Unerwartetes:
„Übrigens, das war letztes Jahr nicht so gemeint, als deine Kinder draußen gespielt haben. Ich hatte eine Knie-OP gehabt und da habe ich etwas überreagiert.“ Mein Mann antwortete: „Ja, das habe ich mir schon gedacht und habe versucht, es meinen Kindern zu erklären.“ Darauf meinte Herr Meyer noch: „Wir wollen ja im Frieden miteinander leben und nicht im Streit!“
Seitdem grüßen Herr und Frau Meyer wieder und bisher ist nichts mehr vorgefallen.
Was wäre wohl gewesen, wenn wir unserem Ärger freien Lauf gelassen hätten und es womöglich Herrn Meyer heimgezahlt hätten?
The story of Mr. Meyer
Romans 12: [17] Do not repay anyone evil for evil. Be careful to do what is right in the eyes of everyone. [18] If it is possible, as far as it depends on you, live at peace with everyone. [19] Do not take revenge, my dear friends, but leave room for God’s wrath, for it is written: “It is mine to avenge; I will repay,” says the Lord. [20] On the contrary: “If your enemy is hungry, feed him; if he is thirsty, give him something to drink. In doing this, you will heap burning coals on his head.”
Herr (Mr.) Meyer is not his real name. But we call him that because he has a complicated last name, and ‘Meyer’ is written on his company car.
One day, a middle-aged couple with a dog moved into the newly built house across from us. The man (Herr Meyer) soon became acquainted with my husband and offered him the informal ‘Du.’ In Germany this means that you are allowed to call him by his first name. ‚Du‘ is the informal word for ‚you‘ and ‚Sie‘ is formal for „you“. You should address strangers with their last name and „Sie“ unless they offer you the informal „Du“. Based on the pleasant conversation, we hoped for good neighborly relations, but unfortunately, we were soon proven wrong.
When it was very hot during the summer holidays, my husband let the children ride their bikes after dinner. The footpath next to Herr Meyer’s house was ideal for this. The children weren’t particularly quiet; they played police and rode around with loud sirens.
Around 7:30 p.m., just as my husband was about to take the children inside, Herr Meyer appeared and unleashed his anger. He scolded my husband: ‘I endure the children all day, and in the evening, when I finally want some peace, there’s noise right outside my window. Such impudence!’ My husband was shocked; he hadn’t expected this.
Apart from the fact that the children had been playing indoors all day due to the heat, it wasn’t even official quiet hours (which is 10:00 p.m.) yet. My husband politely explained this to Herr Meyer. In response, Herr Meyer angrily declared, ‘Then I’ll stand outside your door around 9:50 p.m. and shout loudly!’ My husband apologized for the disturbance and took the children inside.
He immediately shared the story with me. While watering our other neighbors‘ garden, I wrestled with conflicting emotions. On one hand, I felt anger and frustration toward Herr Meyer, but on the other hand, I knew that as a Christian, I must forgive and do good to my enemy.
We discussed the situation with our kids and decided that we wanted to forgive Herr Meyer and, if the opportunity arose, do something kind for him. My husband explained to the children: ‘You saw that he had a cast on his leg. Maybe he’s not feeling well.’
After this incident, several months passed during which both Herr Meyer and his wife completely ignored us. We noticed that he treated some other people unfriendly as well. The whole situation wasn’t pleasant for us. On one hand, we couldn’t forbid children to play during the day, but on the other hand, we didn’t want to upset anyone. Negative feelings and anger would occasionally resurface in me, but I prayed for God’s help and that God would bless Herr Meyer.
The following spring, Herr and Frau Meyer planted a new hedge. As I rode my scooter past their house on the way to kindergarten, a thought suddenly flashed in my mind. I called out to Herr Meyer, who was nearby: ‘The hedge looks great!’ Something shifted in him, and he briefly shared the difficulties they had had with the old hedge.
In the evening, I told my husband about the encounter. Later, when he was mowing our lawn, Herr Meyer was still busy planting the new hedge. My husband gathered his courage, complimented Herr Meyer on the beautiful hedge, and asked if he needed any help. Although help was no longer necessary, the ice was broken. After chatting about the shrubs for a while, Herr Meyer said something quite unexpected: “By the way, last year, I didn’t mean it that way when your children were playing outside. I had knee surgery, and I overreacted.” My husband replied, “Yes, I suspected as much and tried to explain it to my kids.” To which Herr Meyer added, “We want to live in peace with each other, not in conflict!” Since then, Herr and Frau Meyer greet us again, and nothing else has happened.

Tolle Geschichte, hat mich sehr erfreut!
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