Alte Schätze ausgraben: Karl Friedrich Hofacker (1758 – 1824)

English translation below

In letzter Zeit habe ich einige alte Bücher gelesen. Diese Bücher erzählen von Menschen und Begebenheiten, deren Erinnerung in meinen Augen wertvoll ist. Ich finde es schade, dass viele Personen nach ihrem Tod einfach vergessen werden, auch wenn sie besondere Dinge mit Gott erlebt haben. An diesen Geschichten merke ich, dass die Menschen im Grunde immer noch die gleichen sind wie damals und dass vor allem Gott immer noch derselbe ist. Damit die alten Geschichten nicht komplett vergessen werden, möchte ich einige davon hier im Blog weitergeben.

Beim Lesen des Buches „L. Hofacker’s Leben“ von Albert Knapp aus dem Jahr 1852 (Auflage von 1871), stieß ich auf Karl Friedrich Hofacker. Er ist in dem Buch eher eine Randfigur, aber es wird dort beschrieben, wie Jesus ihn veränderte.

Wer war Karl Friedrich Hofacker?

Karl Friedrich Hofacker war der Vater des bekannten Pfarrers Ludwig Hofacker (1798 – 1828). Er war wie sein Sohn ebenfalls Pfarrer. Nach einigen Pfarrstellen in verschiedenen Orten Württembergs wurde er in Stuttgart Stadtpfarrer und Amtsdekan. Mit seiner Frau Friederike (geb. Klemm) bekam er sieben Söhne, von denen drei bereits früh verstarben.

Karl Friedrich nahm seinen Glauben sehr ernst. Verflachtes Christentum war ihm zuwider. Knapp beschreibt, dass „der Vater mehr das alte, die Mutter mehr das neue Testament repräsentirte“. Durch seine große, kräftige Gestalt und sein derbes Wesen verschaffte er sich Respekt bei den Menschen. Seine Söhne erzog er sehr streng. Jedoch merkten die meisten, die mit ihm zu tun hatten, dass er aufrichtig war und es im Grunde gut mit ihnen meinte.

Gottes Hilfe in der Not

Ein Zeugnis aus seinem Leben möchte ich hier aus dem Buch zitieren (S. 6): „Er bestand einst als Diakonus in Wildbad einen seltsamen Kampf, in welchem mancher Andere wohl erlegen wäre. Sein Pfarrsprengel hatte damals einen Durchmesser von fünf Stunden, den Bergen und Wäldern des Enzthales entlang, und dem gering besoldeten Mann blieb keine Wahl zwischen dem Wagen und einem Wanderschritt übrig, weßhalb er seine Kraft auf jenem beschwerlichen Anfangsdienste sehr wohl verwenden konnte. Während eines sehr klaren Winters wurde er bei Nacht auf eine entlegene Mühle zu einer kranken Person gerufen, und begab sich sogleich auf den Weg, als er in einer bedeutenden Entfernung von dem Hause sich unversehens von drei Bullenbeißern gepackt sah, die sich dumpfknurrend an ihn hängten. So stand er (ich habe die Erzählung von ihm selbst) wohl eine Viertelstunde lang regungslos und in Todesangst, weil er kein Mittel wußte, sich von den Bestien, die ihm allmählig zu schwer wurden, auf gute Manier loszumachen, und bei dem geringsten Widerstande Gefahr lief, von ihnen in der einsamen Winternacht erwürgt zu werden. In dieser Noth betete er zum Herrn, und plötzlich erinnerte er sich aus seiner Kinderzeit, daß die Hunde vor einem Hute, den man zwischen die Zähne nimmt, erschrecken. Gott seine Seele befehlend, wand er langsam den rechten Arm aufwärts, fuhr an den Hut, schüttelte ihn mächtig zwischen den Zähnen gleich einem doppelhäuptigen Mann, und siehe da, die Bestien suchten im Augenblick das Weite, so daß er ohne weitere Drangsal sein Amt beschicken konnte, auch unversehrt die Heimath wiederfand.“

Wie Jesus Karl Friedrichs Herz veränderte

Wie bereits erwähnt, nahm Karl Friedrich Hofacker seinen Glauben ernst, aber es fehlte ihm die Liebe und persönliche Beziehung zu Jesus. Er war auch den Pietisten gegenüber eher feindlich eingestellt. Erst, als er im Alter von 65 Jahren einen Schlaganfall erlitt und noch weitere körperliche Beschwerden dazu kamen, änderte sich seine stolze innere Einstellung. Ich zitiere wieder aus dem Buch (ab S. 22):

(…) bis sich zuletzt unter den zehntausend Krankheiten, deren der menschliche Körper fähig ist, eine Brustwassersucht bei ihm anmeldete, um nach dem Willen des Herrn auch seine, aus ungewöhnlich dicken, eichenen Balken gezimmerte Hütte zu zerbrechen. Da ging Großes in seiner Seele vor; da gefiel es dem Vater der Geister, den im fünfunsechzigsten Lebensjahre stehenden ehernen Mann zum Kind umzuwandeln, ihm die freie Gnade Jesu in seltener, unausprechlich wohlthuender Klarheit zu offenbaren, um ihm Dasjenige, was er bisher durch die Farbenbrille eines menschlichen Systems gesehen hatte, im farblosen Sonnenlichte der Einfalt vor das Auge zu rücken. O, das waren köstliche Zeiten, als aus der Puppe des Mannes der Schmetterling des Gotteskindes mit den lichtglänzenden Flügeln ausschlüpfte, als der Meister zum Schüler, der Vater zum Bruder wurde!“

Zu einem Bekannten sagte Karl Friedrich Hofacker im Bezug auf Jesus: „Den aber, der sein Blut für mich vergossen hat, habe ich nicht wahrhaftig geliebt!“ Dann schreibt Albert Knapp in seinem Buch weiter (S. 24):

„Diese unmittelbare Nähe und Liebe Jesu war es auch, woran er sich wie ein Kind unablässig erquickte. Die rührendsten, lieblichsten Zeugnisse flossen hierüber aus seinem Herzen als lebendiges Wasser, und erquickten alle seine Umgebungen. Mit der innigsten Beugung bekannte er eines Tages: er habe früher nie geahnt, welch ein seliges und einfach zu ergreifendes Geheimnis in den Worten Jesu liege: ‚Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.‘ Er habe wohl den Heiland verehrt und als den Sohn Gottes hoch gehalten, Ihn aber meist in der Höhe und Ferne gesucht, während er jetzt erkenne, wie nahe man Ihn am Herzen und Mund haben könne. Dazu aber gehöre ein gebrochenes Herz und ein ganz kindlicher Wille, – dann erlebe man im Umgange des Heilandes selige Zeiten, und habe unendlich mehr, als alle irdische Phantasie und Wissenschaft uns zu bieten vermöge.“

„Ohne ganz innige Gemeinschaft mit Jesu ist unser Leben meist ein verfehltes und verlorenes.“

Karl Friedrich Hofacker

Albert Knapp schreibt über Hofackers Tod: „In dieser freudigen Fassung vollendete er auch seinen Lauf, frei von allen Schrecknissen des Todes, von der Liebe der Seinigen gepflegt, von ihren Gebeten, wie mit einem kühlenden Fächer, umbreitet.“

Ich gebe zu, dass es anstrengend war, dieses Buch zu lesen, weil die langen Bandwurmsätze und die altmodische Ausdrucksweise für heutige Menschen sehr gewöhnungsbedürftig sind. Aber es war trotzdem ein Gewinn für mich.

Unearthing Old Treasures: Karl Friedrich Hofacker (1758 – 1824)

Recently, I have been reading some old books. These books tell stories of people and events whose memories I find valuable. I think it’s a pity that many people are simply forgotten after their death, even if they experienced special things with God. These stories show that people are fundamentally still the same as they were back then and that, above all, God is still the same. To ensure that these old stories are not completely forgotten, I would like to share some of them here on the blog.

While reading the book “L. Hofacker’s Life” by Albert Knapp from 1852 (1871 edition), I came across Karl Friedrich Hofacker. He is more of a peripheral figure in the book, but it describes how Jesus changed him.

Who was Karl Friedrich Hofacker?

Karl Friedrich Hofacker was the father of the well-known pastor Ludwig Hofacker (1798 – 1828). Like his son, he was also a pastor. After holding several pastoral positions in various places in Wuerttemberg (Southern Germany), he became a city pastor and dean in Stuttgart. With his wife Friederike (née Klemm), he had seven sons, three of whom died early.

Karl Friedrich took his faith very seriously. He was opposed to superficial Christianity. Knapp describes that “the father represented the Old Testament more, the mother the New Testament.” His large, strong stature and rough manner earned him respect among people. He raised his sons very strictly. However, most people who dealt with him realized that he was sincere and fundamentally meant well.

God’s Help in Times of Need

I would like to quote a testimony from his life from the book (p. 6): “Once, as a deacon in Wildbad, he faced a strange struggle in which many others might have succumbed. His parish at that time had a diameter of five hours, along the mountains and forests of the Enz Valley, and the poorly paid man had no choice but to walk, as he could not afford a carriage. During a very clear winter, he was called at night to a remote mill to visit a sick person and immediately set out on his way. When he was at a considerable distance from the house, he was suddenly attacked by three bull terriers that clung to him, growling dully. He stood there (I have the story from him personally) for about 15 minutes, motionless and in mortal fear, because he did not know how to free himself from the beasts, which gradually became too heavy for him, without risking being strangled by them in the lonely winter night. In this distress, he prayed to the Lord, and suddenly remembered from his childhood that dogs are frightened by a hat held between the teeth. Commending his soul to God, he slowly raised his right arm, grabbed the hat, and shook it mightily between his teeth like a two-headed man, and behold, the beasts immediately fled, so that he could continue his duty without further distress and returned home unscathed.”

How Jesus Changed Karl Friedrich’s Heart

As already mentioned, Karl Friedrich Hofacker took his faith seriously, but he lacked love and a personal relationship with Jesus. He was also rather hostile towards the Pietists. It was only when he suffered a stroke at the age of 65 and other physical ailments followed that his proud inner attitude changed. I quote again from the book (from p. 22):

„(…) until finally, among the ten thousand diseases to which the human body is susceptible, he developed dropsy of the chest, which, according to the Lord’s will, also broke his hut, which was built of unusually thick oak beams. Great things happened in his soul; it pleased the Father of spirits to transform the iron man, who was in his sixty-fifth year, into a child, to reveal to him the free grace of Jesus in rare, unspeakably soothing clarity, to show him what he had previously seen through the tinted glasses of a human system in the colorless sunlight of simplicity. Oh, those were delightful times when the butterfly of the divine child with its radiant wings emerged from the man’s chrysalis, when the master became the student, and the father became the brother.“

Karl Friedrich Hofacker said to an acquaintance regarding Jesus: “But the one who shed his blood for me, I have not truly loved!” Then Albert Knapp continues in his book (p. 24):

“This immediate closeness and love of Jesus was also what he constantly delighted in like a child. The most touching, lovely testimonies flowed from his heart like living water and refreshed all those around him. With the deepest humility, he confessed one day that he had never before realized what a blessed and simple-to-grasp secret lay in Jesus’ words: ‘Behold, I am with you always, to the end of the age.’ He had indeed revered the Savior and held Him high as the Son of God, but mostly sought Him in the heights and distances, whereas now he recognized how close one could have Him to the heart and mouth. But this required a broken heart and a very childlike will—then one would experience blessed times in the company of the Savior and have infinitely more than all earthly imagination and science could offer us.”

“Without very intimate communion with Jesus, our life is mostly a failed and lost one.”

Karl Friedrich Hofacker

Albert Knapp writes about Hofacker’s death: “In this joyful composure, he also completed his course, free from all the terrors of death, cared for by the love of his own, surrounded by their prayers like a cooling fan.”

I admit that it was challenging to read this book because the long, convoluted sentences and the old-fashioned expressions are very unusual for people today. But it was still rewarding for me.

Veröffentlicht von happyhenni

Ich bin Christin, verheiratet und Mutter von 3 Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.

Ein Kommentar zu “Alte Schätze ausgraben: Karl Friedrich Hofacker (1758 – 1824)

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